Prof. Hartmut Rosa hält die Erich Fromm Vorlesung 2019

Das Erich Fromm Study Center organisiert jährlich an der IPU eine Erich Fromm-Vorlesung durch eine/n renommierte/n Gastwissenschaftler/-in. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schlüsselfragen, für die auf das Werk von Fromm Bezug genommen wird. In diesem Jahr konnte Prof. Hartmut Rosa als Referent gewonnen werden.

Zur Person
Prof. Hartmut Rosa ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max Weber Kollegs in Erfurt. 2018 hat er von der Erich-Fromm-Gesellschaft den Erich Fromm-Preis verliehen bekommen.

Termin
Donnerstag, 5. Dezember 2019, 19 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten, bitte nutzen Sie dazu das Formular auf der IPU-Website. Anmeldefrist ist der 24. November 2019

Die Veranstaltung wird von Prof. Dr. Thomas Kühn und Dr. Rainer Funk moderiert.

Jenseits von Aggression, Fusion und Depression? Konturen eines mediopassiven Weltverhältnisses

Der Vortrag entwickelt zunächst – in Auseinandersetzung mit Überlegungen Erich Fromms – die These, dass das moderne Weltverhältnis von der Angst existentieller Isolation und Einsamkeit beherrscht ist, aus der sich drei problematische Strategien der Weltbearbeitung ergeben: Eine erste und dominante Reaktion auf die Isolationsdrohung besteht in der Entwicklung einer aggressiven Weltbeziehung, deren Ziel die (grenzenlose) Verfügbarmachung von Welt ist. Die zweite Reaktionsweise besteht im Streben nach einer ent‐individualisierenden Fusion mit einem kollektiven Ganzen. Als dritte Reaktionsform schließlich lässt sich ein depressives Weltverhältnis beobachten, das mit dem Verlust jeglicher Selbstwirksamkeitshoffnung verknüpft ist.

Demgegenüber versucht der Vortrag dann die Konturen eines alternativen Weltverhältnisses zu entwerfen, das zwischen der Allmachtsphantasie der ersten und der Ohnmachtserfahrung der dritten Strategie eine ‚mediopassive‘ Form der Weltbeziehung realisiert, in der sich Subjekte weder als allmächtige Täter noch als ohnmächtige Opfer, sondern als teilmächtige, selbstwirksame und responsive Teilhabende verstehen. Auf diese Weise lassen sich politische, ökologische und biographische Weltbeziehungen neu denken.